Altorientalische Forschungen 2018; 45(1): 122–132
Zsolt Simon
Sapaziti, Sapalulme und die Suppiluliumas
von W/Pal(a)stin(a/i)
https://doi.org/10.1515/aofo-2018-0011
Abstract: This paper argues that the Neo-Assyrian spelling Sapalulme of a Neo-Hittite ruler does not represent a
distortion of the name Suppiluliuma (as it is generally assumed), but a relatively close transcription of another
Luwian name, the first member of which may be attested in the name of Sapa-ziti, Great King of Karkamiš. Since
the name PURUS.FONS.MI of the statue of Suppiluliuma from Tall Taʿyīnāt cannot be read as Sapalulme,
Suppiluliuma of the statue and Sapalulme cannot be identical rulers, contrary to the widespread view.
Keywords: Neo-Hittite, Neo-Hittite history, Suppiluliuma, Tall Taʿyīnāt, W/Pal(a)stin(a/i)
1 Sapalulme
Der luwische Name von Sapalulme (mSa-pa-lu-ul-me), dem König von Patin im Jahre 858 (für Belege s. Baker
2002), wurde wegen der offensichtlichen Ähnlichkeit traditionell und ohne Zweifel mit dem hethitischen
Namen Šuppiluliuma identifiziert1 – die einzige mir bekannte Ausnahme ist Baker (2002: 1090), die allerdings
ohne jeglichen Hinweis auf die reiche Fachliteratur behauptet, dass die Herkunft und die Bedeutung des
Namens „unknown“ seien. Mit anderen Worten sah man darin die assyrische Verzerrung des luwischen
Namens, was an sich nicht unmöglich ist, aber es lohnt sich zu überprüfen, ob dies tatsächlich der Fall ist;
dabei sind das Hinterglied und das Vorderglied getrennt zu behandeln.
Die Hinterglieder -lulme und -luliuma scheinen in der Tat identisch zu sein, allerdings erklärt Šuppiluliyama, die Variante des Namens Šuppiluliuma (für Beleglage s. Gonnet 1979: 63–64) die assyrische Verzerrung
besser, weil -luliyama mit der im Luwischen geläufigen Kontraktion auch *-lulima lauten konnte, und die
assyrische Synkope nicht bei zwei sondern nur bei einem Vokal eintreten würde.2 Interessanterweise handelt
es sich bei Šuppiluliyama wahrscheinlich um die luwisierte Variante des Namens, denn -iyama ist kein
hethitisches Derivationssuffix (hier zu lūli- ‚Quelle‘). Ihm entspricht aber das aus dem (mit dem Luwischen
eng verwandten) Karischen gut bekannte Suffix -jom (gräzisiert -ιωμος) <*-iya-ma-, das Personennamen bildet
(zum karischen Suffix s. zuletzt Adiego in Adiego et al. 2012: 200, zum Lautlichen s. Adiego 2007: 258),
weshalb man dieses Suffixkonglomerat bzw. diese Bildungsweise auch für das Luwische annehmen kann.3
Sapalulme könnte das luwische Sapa-luli(ya)ma wiedergegeben haben.
1 Zum Beispiel Goetze (1954: 79); Neumann (1961: 18); Laroche (1966: 157, 167); Hawkins (1972–1975: 162 [implizit]; 2000: 363,
apud Weeden 2013: 12); Tischler (1990: 72–73); Collins (2007: 86); Simon (2009: 256, 2014d: 726); Puhvel (2011: 114); Bryce (2012:
131, 219, 354); Freu (2012: 96); Weeden (2013: 12, 15 [einmal mit Tippfehler als „Sapalalme“]); Harrison (2014: 409); Galil (2014: 88).
Bryce (2012), Galil (2014: 91–92, 103–104) und Simon (2014d: 726) sprechen sogar konsequent über „Suppiluliuma“ von Patin statt
Sapalulme, was philologisch nicht befriedigend ist (Galil benutzt den überlieferten Namen nur zweimal, darunter einmal falsch
als „Supalulme“, Galil 2014: 91).
2 Auch Tischler (1990: 72) glaubt, dass die neuassyrische Form auf die Synkope von -i- und nicht -iya- hinweist. Der Auslaut °ma
luwischer Namen wird im Assyrischen mit °me wiedergegeben, man kann hier sogar von einer systematischen Wiedergabe
sprechen (vgl. unten den Appendix). Der Grund dafür ist noch unbekannt.
3 Bei dieser Herleitung wurde davon ausgegangen, dass lūli- keine Nebenform lūliya- hatte (s. die Argumente Tischlers [1990: 72;
dem sich auch Kloekhorst 2008: 533 anschließt] contra CHD L-N: 80 [und Puhvel 2001: 111], in dem auch eine luwische Herkunft
Zsolt Simon, Institut für Assyriologie und Hethitologie, Ludwig-Maximilians-Universität München, Geschwister-Scholl-Platz 1,
80539 München, E-Mail: zsltsimon@gmail.com
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Problematischer ist das Vorderglied.4 Dank einer jüngst in Karkamiš gefundenen Stele wurde der Name
des Vaters des Großkönigs Ura-Tarhunta von Karkamiš, der wegen der unlesbaren Belegstelle in KARKAMIŠ
A4b § 1 bisher nur als x-pa-ziti <x-pa-VIR-ti-> bekannt war (vgl. die Standardedition Hawkins 2000: 80), als
Sapa-ziti <Sa₂-pa-VIR-ti-> lesbar (die Stele von Suhi I. § 1, Dinçol et al. 2014: 147–148, unter den Herausgebern
hat der Name selbst bisher keine Beachtung gefunden, vgl. auch Peker 2016: 14–17). Der Name stellt
offensichtlich ein Kompositum dar und enthält das wohlbekannte luwische Wort zita/i- ‚Mann‘ als Hinterglied
(Laroche 1966: 324–325) und sapa- als Vorderglied. Ein luwisches Wort sapa- ist allerdings bisher nicht belegt
(was an sich wegen der begrenzten Quellenlage nichts bedeutet),5 das formal eindeutige Kompositum spricht
aber dafür, dass ein solches Wort im luwischen Lexikon existierte.
Die Bedeutung von sapa- in Sapa-ziti (Vorderglieder von ziti-Namen können Götternamen, Toponyme
und allerlei einfache Appellative sein6 – ein solcher Göttername ist bisher allerdings nicht belegt) muss wegen
des Mangels an Belegen außerhalb der Onomastik offen bleiben. Zwar ist im Norden Zentralanatoliens ein
Toponym URU/KURŠappa belegt (RGTC 6/1: 345–346 mit Beleglage und Lit.) und Sapa-ziti könnte einen damit
komponierten Namen darstellen, jedoch ist die hieroglyphen-luwische Orthografie zweideutig: Es lässt sich
zunächst nicht entscheiden, ob Sapa-ziti dieses Toponym bzw. ein homonymes (und dem Toponym ggf.
zugrunde liegendes) Wort *šappa- (d. h. die Entsprechung von sapa- in Sapalulme) oder ein Substantiv *šapaenthält.
Es ist außerdem möglich, dass *šapa- auch in gewissen Namen belegt ist. Einerseits kennt man den
Namen Šapalli- (KBo 8.35 ii 6′, Laroche 1966: 157, Nr. 1108), der wie eine luwische Ableitung mit -alla/i- aus
*šapa- aussieht, der allerdings eher als Šametili- zu lesen ist.7 Andererseits könnte das gleiche Wort auch im
Namen des REX.FILIUS Sa?-pa-la (Herbordt 2005: 175 Nr. 349) enthalten sein, der seinerseits die hieroglyphen-luwische Schreibung des Namens *Šapalli- darstellen könnte (eine Entsprechung mit *Šappalli- ist
allerdings ebenso möglich). Problematisch ist dabei jedoch, dass das erste Zeichen auch als hi gelesen werden
kann und dass es ggf. nicht einmal die erste Silbe des Namens darstellt (zu beiden Problemen s. Hawkins apud
Herbordt 2005: 269): Das oberste Zeichen in der Kolumne der Zeichen, die den Namen enthält, ist ein
blütenförmiges Element und konnte zwar bisher nicht eindeutig als hieroglyphen-luwisches Zeichen identifiziert werden, allerdings sollte es aufgrund seiner Position die erste Silbe des Namens darstellen.8
Es ist also wahrscheinlicher, dass sapa- von Sapa-ziti mit *šappa- identisch ist, weil kein gesicherter
Beweis für *šapa- zur Verfügung steht und *šappa- als Vorderglied in einem tatsächlich existierenden und
zwar komponierten Namen (Sapa-lulme) belegt zu sein scheint. Wichtig ist allerdings zu bemerken, dass die
folgenden Erörterungen und Ergebnisse von der Etymologie des Namens Sapa-ziti unabhängig sind.
In Anbetracht der vermutlichen Existenz des luwischen Wortes und Namensgliedes sapa- ergibt sich die
Frage, ob die assyrische Schreibung ernst zu nehmen ist und daher die beiden Namen Šuppiluliuma/
Šuppiluliyama und Sapalulme zu trennen sind. Fremdsprachige Umschriften sind im Allgemeinen ernst zu
nehmen, weil sie prinzipiell nicht willkürlich gebildet werden, sondern bedingt durch die Phonologie und
Phonotaktik der Muttersprache der „Umschreiber“ bestimmten Regeln folgen. Dies schließt natürlich eine
fehlerhafte Wiedergabe noch nicht aus, insbesondere weil die Wiedergabe auch durch andere Faktoren (wie
der Nebenform vorsichtig vorgeschlagen wird). Ist lūliya- dennoch sprachwirklich, muss Šuppiluliyama auch in diesem Fall wegen
des Suffixes sprachlich als luwisch klassifiziert werden (Zugehörigkeitssuffix -āma-, Melchert 2003: 195), nur die karische Parallele
fällt aus.
4 Streng genommen handelt es sich um das Vorderglied von Šuppiluli(ya)-/Sapaluli(ya)-, einem Toponym, aus dem/denen die
Personennamen gebildet sind, dies ist hier allerdings ohne Belang.
5 Dies ist zumindest nach Ausweis von Melchert (1993) für das Keilschriftluwische und ACLT für das Hieroglyphenluwische der
Fall. Diese Werke stellen allerdings teils veraltete (Melchert 1993), teils vorläufige (ACLT) Lexika dar, ein philologisch aktuelles
und zuverlässiges Wörterbuch des Luwischen ist nach wie vor ein dringendes Forschungsdesideratum.
6 Laroche (1966: 324–325).
7 Laroche (1981: 38–39), dem sich Hawkins apud Herbordt (2005: 269) anschließt. Die seitdem veröffentliche Fachliteratur benutzt
den Namen Šapalli-, ohne auf Laroche hinzuweisen (Kenneth/Lawrence 2012: 1047; Devecchi 2015: 121).
8 Der Vollständigkeit halber soll noch der (unvollständige?) Name Š[a?]-p[a]?-x in HKM 97 Rs. 12′ erwähnt werden, den Alp (1991:
91) mit Šapalli- verglichen hat. Die Zeichnung des Fragments zeigt allerdings nichts Ähnliches und es steht keine Fotografie zur
Verfügung.
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z. B. Missverständnis, Volksetymologie usw.) beeinflusst werden kann. Daher ist es notwendig, konkret zu
überprüfen, wie die Assyrer die späthethitischen Herrschernamen wiedergegeben haben.9 Diese Liste findet
sich im Appendix und zeigt, dass die Mehrheit der Namen (12 aus 18 bzw. 16 aus 22) genau wiedergegeben
wurde (sie zeigt sogar sekundär entstandene [und daher dem gesprochenen Luwischen wahrscheinlich näher
stehende] Formen mit Rhotazismus und Kontraktionen); nur wenige (4) Namen zeigen minimale Verzerrungen, die meist erklärbar sind, und „zerstörte“ Formen sind extrem selten (insgesamt zwei), darunter ein Name,
der nicht einmal auf der luwischen Seite klar ist. Mit anderen Worten ist die Schreibung Sapalulme ernst und
zeichengetreu zu nehmen.
Dies steht auch damit im Einklang, dass die andere bekannte neuassyrische Umschrift des Namens
Suppiluliuma nicht Sapalulme, sondern konsequent Ušpilulume lautet (fünf Belege aus zwei Texten von zwei
Königen).10 Somit bliebe für die sprachliche Identifizierung von Sapalulme mit Suppiluliuma als einzige
Möglichkeit die Annahme, dass das Vorderglied vollkommen verzerrt wiedergegeben wurde. Das ist allerdings äußerst unwahrscheinlich, wenn man in Betracht zieht, dass die Assyrer die späthethitischen Herrschernamen weitgehend treu wiedergegeben haben (s. oben), dass der Name Sapalulme mehrmals belegt ist und
konsequent als Sapalulme geschrieben wird, und dass der Name Sapa-lulme anhand der oben festgestellten
Beobachtungen ein im Luwischen belegtes Vorderglied aufweist und daher einem bekannten luwischen
Namenstyp entspricht.
Als vorläufiges Fazit kann man daher feststellen, dass Sapalulme keine Verzerrung, sondern die nahezu
genaue Wiedergabe des luwischen Namens Sapa-luli(ya)ma darstellt.
2 Sapalulme und die Suppiluliumas von W/Pal(a)stin(a/i)11
Aus der Geschichte des späthethitischen Königreichs W/Pal(a)stin(a/i) kennt man zwei Suppiluliumas:
einerseits den Inschriftenherren der ARSUZ-Stelen und andererseits den Suppiluliuma einer schon 2012
gefundenen, aber bis dato (Januar 2018) unveröffentlichten Statue mit einer hieroglyphen-luwischen Inschrift
aus Tall Taʿyīnāt. Der Suppiluliuma der ARSUZ-Stelen wird aus paläografischen Gründen in das späte 10. Jh.
datiert (Dinçol et al. 2015: 61–63), weshalb er im Folgenden außer Acht zu lassen ist.12 Der Suppiluliuma der
Statue wurde allerdings sofort mit Sapalulme identifiziert.13 Da die Statue und ihre Inschrift noch unveröffentlicht sind, steht uns momentan noch kein unabhängiger Beweis zur Datierung zur Verfügung. Weeden (2013:
12) zitiert die mündliche Mitteilung von J.D. Hawkins, dem zufolge die Inschrift aus paläografischen Gründen
ins 9. Jh. zu datieren ist,14 was zumindest mit der Form des wa/i-Zeichens der Inschrift kompatibel ist (zur
Paläografie dieses Zeichens in W/Pal(a)stin(a/i) und dessen Nachfolgestaaten s. d’Alfonso/Payne 2016: 117–
119, 125; zum Photo der Inschrift s. z. B. Harrison/Denel/Batiuk 2014: 35, Abb. 8).
9 Bewusst wurden hier nur die Herrschernamen in Betracht gezogen, weil die Umschrift anderer Namen (z. B. von Toponymen)
auch durch andere Faktoren beeinflusst werden können.
10 RIMA 3, A.0.104.3: 7, 16, 19; RIMA 3, A.0.105.1: 12, 13 (Baker 2011d).
11 Der Beleg [w]a/i-la-s[a₃]-ti-ni-za(REGIO) auf dem Fragment TT 2463 + TT 2713 zeigt, dass dieser Name in Anbetracht des Vokals
nach dem /l/ nur als W/Palastin(a/i)- oder W/Palstin(a/i)- gelesen werden kann (Weeden 2015; die Beleglage erlaubt die
Bestimmung des Stamms noch nicht). Die wiederholte Formulierung von Bryce, „Walistin (variant Walastin)“ (2016b: 15),
„Walistin(/Walistan) (variant Walastin: Weeden 2015)“ (2016a: 68), zeigt, dass Bryce offensichtlich nicht bewusst war, dass die
bisherigen Belege mit dem Zeichen <la₂/i₂> damals beide Lesungen erlaubten, aber der neue, gerade von Weeden (2015)
veröffentlichte Beleg mit dem Zeichen <la> zeigt, dass nur W/Pal(a)stin(a/i)- richtig sein kann und „Walistin“ nicht existiert. Der
Ansatz von Galil (2014), Emanuel (2015) und Younger (2016), trotz der derzeitigen Ambiguität nur „Palistin“ zu schreiben, war
unglücklich.
12 Diese Datierung wurde auch von Strobel (2011: 209; vgl. auch 2010: 47 Anm. 47) und d’Alfonso/Payne (2016: 117–119, 125)
(implizit) übernommen. Galil (2014: 88) listet noch (nicht zwingende) historische Argumente auf, warum die beiden Suppiluliumas
nicht identisch sein können.
13 Hawkins apud Weeden (2013: 12); Joblonkay apud Harrison/Denel/Batiuk (2014: 24); Harrison (2014: 409–410) („probably“);
Dinçol et al. (2015: 62–63) („plausibly“); Younger (2016: 127–128), vorsichtig sind dagegen Weeden (2013: 15) und Bryce (2016b: 17).
14 Nach Bryce (2016b: 17) „probably“ Mitte des 9. Jhs., ohne Begründung bzw. Quellenangabe.
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Es wurde allerdings oben gezeigt, dass der Name Sapalulme nicht mit dem Namen Suppiluliuma
identisch sein kann. Es gibt daher zwei Möglichkeiten: Entweder sind die beiden Herrscher nicht identisch
miteinander oder die Schreibung PURUS.FONS.MI stellt die logografische Schreibung des Namens Sapalulme
in der Inschrift dar.
Da das Vorderglied des Namens Suppiluliuma aus dem heth. Wort šuppi- / šuppai- ‚rein, heilig‘ besteht,
würde die letztere Annahme bedeuten, dass PURUS.FONS.MI nicht auf Hethitisch, sondern auf Luwisch zu
lesen ist und sapa- das luwische Äquivalent von heth. šuppi- / šuppai- ‚rein, heilig‘ darstellt.15 Diese Annahme
ist an sich natürlich möglich (und die luwische Suffigierung in Sapalulme [vgl. oben] bzw. die vorgeschlagene
luwische Herkunft von lūliya-, sofern zutreffend [vgl. oben], würden diese Idee unterstützen). Wir befinden
uns allerdings in der glücklichen Lage, dass diese Annahme überprüft werden kann. Dabei wird davon
ausgegangen, dass heth. šuppi- und luw. sapa- miteinander in irgendeiner etymologischen Verbindung
stehen, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass es zwei formal fast identische Wörter identischer Bedeutung in
zwei nahverwandten Sprachen ohne irgendeine etymologische Verbindung gibt (auch wenn es a priori nicht
ausgeschlossen werden kann).
Wie bereits erwähnt, zeigt die neuassyrische Schreibung mit -p-, dass der Verschlusslaut in Sapalulme
tatsächlich dem des šuppi- / šuppai- entspricht. Bisher wurde nur einmal versucht, die Beziehung zwischen
sapa- (*šappa-) und šuppi- zu erklären, und zwar von Neumann (1961: 18), der meinte, dass šuppi- durch eine
„Lautwandelregel“ u > a zu sapa- würde. Abgesehen davon, dass dieser Vorschlag außer Acht lässt, dass die
beiden Wörter aus zwei unterschiedlichen Sprachen stammen, existiert eine solche „Lautwandelregel“ im
Luwischen nicht.16 Sapa- (*šappa-) kann offenbar nicht aus šuppi- stammen (weder als Lehnwort noch als
Erbwort aus einem ins Luwische früher entlehnte šuppi-), nicht nur weil es keinen Wandel u > a gibt und die
Lautsubstitution nicht motiviert ist, sondern weil auch die Stämme unterschiedlich sind.
Die einzig übrig gebliebene Möglichkeit ist, dass beide Wörter aus einer gemeinsamen Quelle stammen,
sei es eine gemeinsame Vorform oder eine voneinander unabhängige Entlehnung aus einer gemeinsamen
Quelle. Die Etymologie von šuppi- / šuppai- ist leider nicht bekannt,17 seine möglichen Vorformen lassen sich
allerdings bestimmen: sowohl *sup-(e)i- (Kloekhorst 2008: 789–790) als auch *sp-(e)i-, falls die Argumente
Melcherts (2016: 187–189) zu einer hethitischen u-Epenthese in *#sp- zutreffen. Falls die Vorform *sup-(e)iwar, kann sapa- damit nicht verwandt sein, weil es keinen Lautwandel vorluw. u > a gibt (der einzige, bisher
noch nicht widerlegte etymologische Vorschlag zu šuppi- / šuppai- rekonstruiert übrigens eine idg. Form *sup‚(kultisch) rein‘ [Simon 2013a: 114], den Melchert 2016: 188 Anm. 1 bei seiner Feststellung über die fehlende
Etymologie nicht in Betracht gezogen hat). Falls die Vorform *sp-(e)i- war, kann sapa- damit ebenfalls nicht
verwandt sein, weil die luwische Fortsetzung der idg. anlautenden Konsonantengruppe *sp- ein einfaches pwar (Melchert apud Rieken 2010: 657 Anm. 1):18 siehe z. B. das vermutlich luwische19 Glossenkeilwort
15 Die andere Möglichkeit ist, dass es im Hethitischen auch ein bisher unbelegtes Wort *šappa- gibt, das ebenfalls ‚rein, heilig‘
bedeutet.
16 Neumanns einziges innerluwisches Beispiel besteht aus seiner Annahme, dass hier.-luw. ha-la+ra/i-la (ASSUR-Briefe a § 10, c
§ 11) „Libertus (?)“ bedeutet und keil.-luw. ḫutarlā- ‚Diener‘ entspricht. Allerdings ist die Bedeutung des hier.-luw. Wortes bis heute
unbekannt (vgl. Hawkins 2000: 543; Giusfredi 2010: 212 mit Anm. 419, 217 mit Anm. 434; Payne 2012: 115–116; dagegen schlägt
ACLT s.v. „animal part“ vor; die hier.-luw. Entsprechung von ḫutarlā- wird stets mit SERVUS(-la/i-)/(-la₂/i₂-) geschrieben, vgl.
ACLT s.v. hudarl(i)- u.ä.). Der zweiten Möglichkeit, die sich aus Neumanns These ergibt, dass heth. u einem luw. a entspricht, wird
in nächstem Abschnitt nachgegangen.
17 Kloekhorst (2008: 789–790); Melchert (2016: 188 Anm. 1) contra Tischler (2006: 1191–1193 mit Lit.), s. die ausführliche Kritik in
Weiss (2010: 358–383).
18 Melchert nimmt im Allgemeinen an, dass ein idg. anlautendes *s vor einem Verschlusslaut geschwunden ist, gibt sonst
allerdings nur Beispiele mit Dentalen an (1994: 267, 271; 2016: 190). Yakubovich (2009: 553) dehnt diese Regel sogar auf alle
Konsonanten aus, die Situation außerhalb der Verschlusslaute bleibt allerdings problematisch (vgl. Melchert 1994: 267; 2016: 190–
191). Jüngst s. Rieken (2010: 657 mit Anm. 1), die feststellt, das *s vor velaren Plosiven anders als vor alveolaren und „wahrscheinlich“ labialen Plosiven nicht schwindet.
19 In der Forschung herrscht in dieser Hinsicht Einigkeit, s. Puhvel (1984: 444; 2011: 124); Melchert (1993: 168); Tischler (2001:
458; 2008: 136–137; 2016: 259); Kloekhorst (2008: 406); van den Hout (2007: 249). Zorman (2016 [bes. 588]) zufolge kennzeichnen
die Glossenkeile nicht die luwische Herkunft, sondern den tabuisierten Status des Wortes. Es ist mir allerdings nicht nachvollziehbar, warum die ganz alltägliche Bedeutung ‚schmieren, streichen‘ tabuisiert sein sollte. Man beachte dabei, dass dieses Verb nicht
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Altorientalische Forschungen 2018; 45(1)
parri(ya)- ‚schmieren, streichen‘ < idg. *spór- (vgl. heth. išpār-/išpar- ‚hin-/ausbreiten‘, Puhvel (1984: 444–
445); Kloekhorst (2008: 406 mit Lit.).20
Mit anderen Worten hat das dem Sapalulme zugrunde liegende luw. *šappa- nichts mit heth. šuppi- zu
tun, weshalb PURUS.FONS.MI nicht als Sapalulme/*Šappaluliyama gelesen werden kann. Dementsprechend
kann der Herrscher Sapalulme nicht mit dem Suppiluliuma der Statue identifiziert werden. Wie Suppiluliuma
der Statue dann in die lokale Herrscherliste einzufügen ist, bleibt zumindest bis zur Publikation der Inschrift
mit einem nachweisbaren Datierungsvorschlag unklar.
3 Fazit
In diesem Aufsatz wurde dafür argumentiert, dass die neuassyrische Schreibung Sapalulme eines luwischen
Herrschernamens ernst genommen werden soll, weil die neuassyrischen Schreibungen im Allgemeinen phonetisch genaue Wiedergaben sind. Deshalb und weil das zugrunde liegende Wort sapa- (das vermutlich auch im
hieroglyphen-luwischen Namen Sapa-ziti belegt ist) nachweisbar nichts mit šuppi- zu tun hat, kann der Name
PURUS.FONS.MI von der Suppiluliuma-Statue aus Tall Taʿyīnāt nicht als Sapalulme gelesen werden, und der
Suppiliuma der Statue und Sapalulme müssen verschiedene Herrscher sein. Wer dennoch die Identifizierung
des Suppiluliuma der Statue mit Sapalulme beibehalten möchte, dem bleiben zwei Möglichkeiten: Man kann
einerseits annehmen, dass die Assyrer den Namen absolut falsch geschrieben haben, was nicht nur mit der
luwischen Beleglage (Sapa-ziti), der im Allgemein treuen assyrischen Wiedergabe und dem anderen neuassyrischen Beleg zu Suppiluliuma (konsequent Ušpilulume) im Widerspruch steht, sondern auch ein methodisch
zweifelhaftes Verfahren darstellt (da man mit Verzerrungen allerlei Identifizierungen „nachweisen“ kann).
Andererseits kann man annehmen, dass PURUS.FONS.MI dennoch als Sapalulme/*Sapalulijama gelesen werden kann, indem das Hethitische und das Luwische ganz zufällig über zwei unterschiedliche, unverwandte Wörter verfügen, die allerdings ähnlich lauten und das gleiche bedeuten. Die Entscheidung über die
Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios sei dem Leser überlassen.
allgemein „(eine Medizin) anwenden“ (trotz der Angabe Zormans) bedeutet, sondern dass es sich ganz konkret auf die Tätigkeit
des Berührens der Augen des Königs mit einem Kraut bezieht (vgl. Puhvel 1984: 444; Melchert 1993: 168, und die Literatur in CHD
P: 150 s.v.).
20 Melchert apud Rieken (2010: 657 Anm. 1) zitiert noch Starkes Vorschlag (1990: 342 Anm. 1210), dem zufolge keilschrift-luw.
putalli(ya)- ‚eilmarschfertig machen‘ bedeute und aus idg. *speud- ‚sich beeilen‘ stamme (vgl. gr. σπουδή ‚Eile, Eifer‘). Starkes
Vorschlag wurde allerdings von Tischler (2001: 674–675; s. dort auch für andere Bedeutungsangaben) abgelehnt und in der
einschlägigen indogermanistischen Fachliteratur (LIV2 581; Beekes 2010: 1381–1382; Kümmel 2015) außer Acht gelassen. Diese
Frage bedarf offenbar einer eigenen Untersuchung.
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4 Appendix: Späthethitische Herrschernamen in assyrischer
Umschrift (bis auf Sapalulme)21
A. Treue Wiedergabe
A1. Hullî
Huliya
Mit regelmäßiger -iya- > -i- Kontraktion.
A2. Kikki (Tabal), Kiakki (Šinuhtu)
Kiyakiya
Teilweise mit regelmäßiger -iya- > -i- Kontraktion.
A3. Kurtî
Kurti
A4. Mut(t)alli/u (Gurgum, Kummuh) Muwattalli
Mit regelmäßiger -uwa- > -u- Kontraktion, das geminierte -tt- ist sekundär (erscheint nur bei Sargon II. und
auch dort nur inkonsistent) und vermutlich innerassyrisch (entweder wurde die betonte Silbe durch den
geminierten Konsonant ausgedrückt oder [wahrscheinlicher] der aus der Kontraktion von -uwa- entstandene
lange Vokal wurde in einer offenen Silbe durch eine geschlossene Silbe ersetzt, für diese Erscheinungen s.
Luukko 2004: 98–101, 126–128).
A5. Pisīri(s)
Piyaššili
Mit regelmäßiger -iya- > -i- Kontraktion und ebenfalls regelmäßigem Rhotazismus (Giusfredi 2010: 61
Anm. 113; Simon 2010: 84 Anm. 15).
A6. Qalparunda (Gurgum und Unqi) Halpa-Runtiya
Zu neuass. <q> = luw. <h> im Anlaut s. die Diskussion in Simon (2014c: 881, 887).
A7. Sandasarme
Sanda-Sarruma
Obwohl die Synkope von [u] unregelmäßig zu sein scheint, ist sie auch in Wassurme belegt (s. B4), weshalb es
sich vermutlich um einen luwischen Wandel handelt (und zwar in Zentralanatolien: beide Formen stammen
nämlich aus Kilikien und Tabal).22
A8. Sanduarri
*Sanda-warri
Nicht mit Azatiwada identisch (Simon 2014a: 97–98 mit Diskussion und Lit); mit geläufiger Kontraktion.
21 Für die Belege, die Identifizierungen und sprachwissenschaftliche Analysen s. im Allgemeinen PNA s.vv., wenn nicht anders
angegeben. Außer Acht gelassen wurden die Herrschernamen luwischer Herkunft aus Sam’al (da sie auch durch aramäische
Muttersprachler ins Neuassyrische übermittelt werden konnten); der kaškäische Herrschername Dadîl(u); Gurdî von Kulummu
und/oder Til-Garimmu, dessen anlautender Konsonant auf einen (synchron gesehen) phrygischen Namen hinweist (ausführlich
dazu s. Simon 2017c mit Lit.); sowie „Uriailli“, der trotz des Eintrags von Baker (2011b) in PNA nicht existiert, alle angebliche
Belege beziehen sich nämlich auf Uriyaikki. Es wurde angegeben, falls der Herrschername aus mehreren Staaten bekannt ist, da
auch dies zur (Nicht-)Konsequenz der neuassyrischen Umschrift beiträgt. „Luwisches Original“ in den Tabellen bezieht sich
ausschließlich auf die sprachliche Identität der Namensformen. Die hethitisch-luwischen Namen werden in ihrer Stammform
zitiert. Bei der Überprüfung der Wiedergabe wurde der schwankende Auslaut der neuassyrischen Wiedergabe außer Acht gelassen
(obwohl er in der überwiegenden Mehrheit der Fälle dem luwischen Stammvokal entspricht).
22 Obwohl Houwink ten Cate (1961: 134–136) zahlreiche komponierte Namen mit -ζαρμας (Kilikien) bzw. -σαρμας (Lykien) im
Hinterglied als theophore Namen mit Šar(ru)ma aufführt, die diese These unterstützen würden, gehören die -ζαρμας-Namen nicht
hierher (Melchert 2013: 43 mit Lit.) und auch der -σαρμας-Name aus Lykien passt besser als die lautgesetzliche (lykische)
Entsprechung der kilikischen (luwischen) -ζαρμας-Namen.
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Altorientalische Forschungen 2018; 45(1)
A9. Tarhulara/i/u
*Tarhunalla
Mit regelmäßigem Rhotazismus (zu dieser Identifizierung s. Simon 2014c: 881 Anm. 18), einmal auch mit <q>,
dazu s. Simon (2014c: 887).
A10. Tarhunazi
Der Name des Wettergottes mit dem Suffix -azi- (s. dazu Melchert 2013: 46).
A11. Tuatti
Tuwati
A12. Urpallâ
Warpalawa
Mit regelmäßiger Kontraktion in der ersten Silbe.
Identifizierung nicht allgemein angenommen:
A13. Allumari
PUGNUS-mili
Nicht mit Arnuwanti identisch, s. die kritische Diskussion in Simon (2016: 70, 72–74 mit Lit.) und mit dem
Vorschlag, PUGNUS-mali/Allumali mit regelmäßigem Rhotazismus zu lesen.
A14. Ini-Teššub
I(a)+ra/i-TONITRUS
Mit regelmäßigem Rhotazismus, falls identisch (zu diesem Vorschlag s. die kritische Diskussion in Simon
2013c mit Lit. auch zu den anderen Vorschlägen).
A15. Katiya > Katî
Für die Form s. Younger (2009: 161–163), aber mit regelmäßiger -iya- > -i- Kontraktion und keine „simply
truncations ... (perhaps with real syncope)“ (contra Younger 2009: 162). Es ist allerdings semantisch zweifelhaft, ob ein Adjektiv *katiya- ‚feindlich‘ als PN dienen kann, wie Younger (2009: 162 Anm. 15, 165) einer pers.
Mitteilung Melcherts folgend diesen Namen analysieren will.
A16. [Ix]-us-si23
Fuchs (1996: 284) schlägt vorsichtig („vielleicht“) vor, diesen Namen mit dem phrygischen Namen Μουσσις
(Zgusta 1964: 338–339 § 988–7) zu identifizieren und den Namen daher als [IMu]-us-si zu lesen (dem sich auch
Sano 2015 und Marek 2017: 823 anschließen24), was durchaus möglich ist (für einen anderen phrygischen
Namen unter den späthethitischen Herrschern s. Simon 2017c), sich allerdings nicht beweisen lässt.
B. Nahezu treue Wiedergabe
B1. Lubarna
Labarna
Unregelmäßiges a > u, vermutlich durch den benachbarten Labial beeinflusst.
B2. Uriyaikki/Urik(ki)
/Wrayka-/
Zur luwischen Form und der Trennung von Awariku s. Simon (2014a) (zur Herkunft des Namens Awariku s.
Simon 2017a). Einer Idee W. Sallabergers folgend wurde in Simon (2014a: 95 mit Anm. 28) die Lesung
Urek(ki) mit Lautsubstitution vorgeschlagen und das geminierte -kk- könnte den gleichen Faktoren wie oben
bei Mut(t)allu zugewiesen werden. Problematisch bleibt aber unter allen Umständen die Vokalhäufung in
Uriyaikki.
23 Dabei handelt es sich um einen König von Tabal, er wurde nicht in PNA aufgenommen, für den Beleg s. Fuchs (1996: 284 [IIT
141]).
24 Aro (2012: 390) benutzt dagegen weiterhin die Form [...]ussi, ohne Hinweis auf diesen Vorschlag. Trotz seiner Bestrebungen
lässt Bryce (2012) mehrere Herrscher außer Acht, so auch [...]ussi.
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Zsolt Simon – Sapaziti, Sapalulme und die Suppiluliumas von W/Pal(a)stin(a/i)
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B3. Ušpilulume
Šuppiluliuma
Unregelmäßige Metathese der anlautenden Phoneme (volksetymologische Umformung nach Analogie der
neuassyrischen Satznamen mit der Struktur VK1K2VK3-ilu, z. B. Iddin-ilu, Iqbi-ilu, Išme-ilu, usw. [vgl. PNA s.
vv.]?) und unregelmäßiger Schwund des [i].
B4. Wassurme
Wasu-Sarruma <Wasu-SARMA-ma->25
Unregelmäßige Synkope der Silbe [sa] sowie ungeklärte Gemination des Sibilanten.
C. Verzerrte Wiedergabe26
C1. I/Urhulêni/a
Ur(a/i)hila/ini
Nur die Konsonanten sind identisch, man beachte allerdings, dass nicht einmal die luwische Form klar ist, für
die jüngste Diskussion s. Baker/van Buylaere (2000); Younger (2016: 146 mit Anm. 111); Yakubovich (2017: 40
mit Anm. 13).
C2. Palalam27
Völlig unklare Silbe im Anlaut.
Larama
D. Unbekanntes Original (diejenigen Namen, deren luwische Entsprechung bisher nicht oder nur teilweise
identifiziert werden konnte)
D1. Teilweise identifiziert: Pihirim (piha- im Vorderglied, Simon 2014c: 881), Tutam(m)û (-muwa im Hinterglied, Novotny/Zadok 2011: 1337);
D2. Nicht identifiziert: Am(ba)ris, Iškallû, Kilar, Kirrî, Kirua, Kundašpi, Kuštašpi, Lalla/i, Mugallu/i, Puhame,
Qatazilu/i,28 Sa(n)gar(a), Sāsi,29 Sulumal,30 Surri, Tuham(m)e, Tulli, U(i)rim(m)î, U/Ašhit(t)i/u.31
Danksagung: Ich bedanke mich bei Joost Hazenbos für seine hilfreichen Bemerkungen sowie Anja Busse für
die Korrektur meines Deutsch. Die Verantwortung liegt selbstverständlich bei mir.
Zusätzliche Abkürzungen
ACLT
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LIV2
Rix, H. et al. (20012): Lexikon der indogermanischen Verben. Die Wurzeln und ihre Primärstammbildungen. Wiesbaden.
25 Obwohl die Identifizierung der beiden Namen in PNA (Baker 2011a: s.v. Uassurme) nicht einmal erwähnt wird, gilt sie seit
langem als communis opinio, s. z. B. schon Laroche (1966: 207) und zuletzt Aro (2014–2016).
26 Die genaue Grenze zwischen einer „nahezu treuen“ und einer „verzerrten“ Widergabe ist schwer zu bestimmen. Die unter
„verzerrter Wiedergabe“ aufgeführten Beispiele stellen allerdings wegen der Probleme (unnötige zusätzliche Silbe im Anlaut,
problematische luwische Ausgangsform) offenbar einen anderen Typ dar als die „nahezu treuen“ Wiedergaben.
27 König von Gurgum (RIMA 3, A.0.104.3, 18, Adad-nārāri III.), nicht erwähnt in PNA.
28 Entgegen der communis opinio ist dieser Name nicht mit Hattušili identisch, s. jüngst die kritische Diskussion in Simon (2014b:
251 mit Lit.).
29 König von Patina (RIMA 3, A.0.102.14, 154; Salmanassar III.), nicht erwähnt in PNA.
30 Nicht mit PUGNUS-mili identisch, s. Simon (2016: 70–72) mit kritischer Diskussion und Literatur.
31 Die oft vertretene Identifizierung mit Ashwi(si) der BOHÇA-Inschrift ist zwar möglich aber nicht zwingend und lässt sich nicht
beweisen, s. zuletzt Simon (2013b: 282–283) mit Lit. und Diskussion. In PNA s. Aro-Valjus (1998 [s.v. Ašhītu]) statt Baker (2011c [s.v.
Ušhitti]), die die Identität von Ašhītu mit Ušhitti nicht erkannte.
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Altorientalische Forschungen 2018; 45(1)
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