Gamers Corner Reich durch Computerspielen
Bis in die späten neunziger Jahre war das französische Softwarehaus Cryo Interactive bekannt für farbenprächtige, grafisch opulente und inhaltlich leichte Adventure-Spiele, etwa "Atlantis" oder "Der Ring des Nibelungen".
Mit dem Niedergang dieses Genres im allgemeinen und auch aufgrund der im Vergleich zu vielen Konkurrenten geringen Qualität der eigenen Produkte im speziellen sahen sich die Designer gezwungen, sich nach Alternativen umzusehen.
Andere Titel der Firma waren oft krude Mischungen aus Action und Strategie, wie zum Beispiel die Umsetzung des Science-Fiction-Romans "Riverworld" von Philip José Farmer oder das unlängst herausgekommene "Devil Inside". All diese Programme hatten eins gemeinsam: Ihnen war kein Erfolg beschieden. Eine neue, innovative Idee musste her. Cryo glaubt, den rettenden Strohhalm gefunden zu haben: Internet-Spiele!
Gewinnen im Netz
Keine wirklich brüllend originelle Idee, oder?
Von Rollenspielen wie "Ultima Online" oder "Everquest" abgesehen, hat in der westlichen Welt kein reines Internet-Spiel eine große Verbreitung gefunden. Auch erste Versuche von Cryo waren weit von diesem Ziel entfernt. Das Strategie-Spiel "Mankind" wurde in einer kaum lauffähigen Version in den Handel gebracht, erst die etliche Monate später veröffentlichte Version "1.5", die separat verkauft wurde, war tatsächlich spielbar.
Das im Ausland seit Anfang des Jahres erhältliche Programm "Schatzsuche 2001 - Die Maske des Nefer" bietet indes einen besonderen Reiz: Wer zuerst alle Rätsel dieses Netz-Adventures löst, kann eine 2500 Jahre alte ägyptische Maske, einen Edelstein und eine formschöne Verpackung aus Gold gewinnen. Der Wert soll angeblich eine Million Mark betragen.
Die Aufgaben haben es in sich: Der Spieler bekommt beispielsweise ein paar Zahlen und das Bild eines älteren Gemäldes. Dann darf er alle möglichen Hilfsmittel benutzen, um die Lösung herauszufinden, die aus einer Koordinate und einem Wort oder einer Farbenkombination besteht. Zehn Versuche stehen frei, und für jeden Tag, den man online geht, bekommt man einen Zusätzlichen. Im Spiel selber gibt es keine weiteren Hinweise, stattdessen ist Recherche im Internet oder Nachschlagewerken angesagt. Dabei findet man zwar viele interessante Dinge, die aber mit dem Produkt selbst eher wenig zu tun haben.
Der Trick besteht nun darin, mit anderen Menschen, die ebenfalls dieses Spiel gekauft haben, Kontakt aufzunehmen und die Aufgaben im Team zu lösen. Das mag ein-, zweimal gut gehen, doch wer will sich auf Dauer die eigene Konkurrenz heranzüchten? Dazu trifft man "dort draußen" hauptsächlich Franzosen, die meist kein Englisch sprechen - und daher keine große Hilfe sind (zugegebenermaßen eine Frage der Perspektive: Französische Fans des französischen Spieles könnten durchaus argumentieren, englischsprechende Deutsche seien ein wenig hilfreicher Fremdkörper im "Cryo Network").
Stolpern im Netz
Doch die eigentlich pfiffige Idee krankt nicht nur an Sprachproblemen. Probleme bereitet auch die technische Umsetzung. Das fängt bereits nach der Installation an. Um an der Schatzsuche teilzunehmen, muss ein Konto im "Cryo Network" eingerichtet werden. Und die Anmeldung aus dem eigentlichen Spiel heraus führt direkt zu einer französischen Seite mit einer Fehlermeldung. Zumindest läßt sich ein Konto über die Seite selbst einrichten.
Trotz der Angabe "3D-Karten-Unterstützung" ist von derart verfeinerter Grafik nichts zu sehen, vergrößert man das Fenster auf Vollbildgröße, ruckt die Darstellung merklich. Die Verbindung bricht des öfteren zusammen, Ladezeiten von einer Minute pro Aufgabe sind keine Seltenheit. Optisch ist dies alles kein Genuss, und die happigen Rätsel leisten ihren Beitrag, dass auch dieses Produkt von Cryo keinen allzu großen Erfolg erringt. Satte 80 Mark berappen abenteuerlustige Surfer für "Schatzsuche 2001" in jedem Fall - dazu kommen die Kosten der Onlineverbindungen. Für diesen Batzen Geld bietet die Schatzsuche dann eine Menge getrübte Freude.
Fazit: Wertvolle Preise bieten einen Anreiz und sollen die Spannung erhöhen. Doch Geld allein macht, nicht nur wenn es ums Spielen geht, noch nicht glücklich.